Ausstellungseröffnung Lebenszeichen
Ingrid Gaier zum Leben von Melitta Urbancic

Am Samstag, 12. November 2022 findet um 19 Uhr die Ausstellungseröffnung Lebenszeichen statt.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Philosophin, Lyrikerin, Schauspielerin und Imkerin Melitta Urbancic, geborene Grünbaum (1902-1984). Sie ist heute vor allem innerhalb der Exilforschung bekannt. 1938 floh sie mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten nach Island.

Die Film-Trilogie Lebenszeichen der Künstlerin Ingrid Gaier bringt die Texte von Melitta Urbancic visuell zum Leuchten. Diese Texte schildern die Einzigartigkeit der isländischen Landschaft, die Sehnsucht der Dichterin nach der Herkunftskultur und die Freude über den brieflichen Kontakt mit Freunden. Die Musik zu den Filmen komponierte die isländische Komponistin Ragnheiður Erla Björnsdóttir. Zeichnungen und Aquarelle von Ingrid Gaier, die während einer Artist-Residency im März und April 2021 in einem Ostfjord in Island entstanden, sind in der Ausstellung zu sehen.

Im Gespräch mit Ingrid Gaier und Sibyl Kneihs-Urbancic, der Tochter von Melitta Urbancic, wird im Rahmen der Ausstellungseröffnung das Leben und Schaffen der österreichischen Exildichterin beleuchtet.

Die Moderation des Abends übernimmt der Ö1-Redakteur Johann Kneihs, Sohn von Sibyl Kneihs-Urbancic.

Der Musiker Helge Stiegler komponierte anlässlich dieser Veranstaltung das Musikstück Gesang der Bienenkönigin, das zur Uraufführung kommt.

GESANG DER BIENENKÖNIGIN
Drei-Fünf-Acht

Die Proportion 3:5:8 ist als Goldener Schnitt bekannt und als Phänomen sowohl in der Natur als auch in der Kunst nachweisbar. Auch die Entstehung einer Bienenkönigin unterliegt dieser Proportion. Drei Tage als Ei, fünf Tage als Larve und acht Tage Metamorphose in der verschlossenen Zelle. Während die schlupfbereite Jungkönigin ein quakendes Geräusch macht, singt die regierende Königin eine Melodie, die in einem Glissando und den Zentralton kreist und den Zentralton als mehrfache Repetition folgen lässt. Der Klang der Stimme ähnelt stark dem aufgeweckten Ton einer Kirtagstrompete.
Mein Stück besteht zum Einen aus Tonaufnahmen, die ich im Bienenstock gemacht habe, zum Anderen aus Tonfolgen, die, vom Zentralton ausgehend, der Proportion 3:5:8 folgen. Ich habe als Zentralton das D gewählt, der 3. Oberton entspricht dem A, der 5. Oberton dem Fis, sodass ein Durdreiklang entsteht. Als zweite Reihe habe ich den dritten, fünften und achten Halbton von D aus gewählt. Damit besteht mein Tonvorrat aus 6 Tönen, die einen D Dur, einen D Moll, sowie einen G Moll Akkord bilden. Diese Töne werden noch zusätzlich elektronisch vermehrt, wobei auch hier die Proportion 3:5:8 gilt.
Helge Michael Stiegler, 2022

D I E   B I E N E N K Ö N I G I N
Aufwärts, aufwärts!
Himmelbläue zieht von den Blütenufern in die Wellen.
Trinken! Trinken!
Was mir auch geschieht –
Glück ist Untergang im Sonnenhellen!
Dass ich steigen darf, wenn andre sinken
Höhe suchen statt den tiefen Grund!
Steile Flucht in seliges Ertrinken –
Nur der Himmel kostet meinen Mund!
Melitta Urbancic (1902-1984)

Prevenhuberhaus, Marktplatz 6, Weyer
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