Kann Kunst eine kollektive Gedächtnisleistung anregen, einen Prozess des Erinnerns einleiten?
Dieser Frage geht Ingrid Gaier in ihren Biographie-Arbeiten nach. Sie benutzt Materialien wie Textil, Fotonegative, alte Papiere und arbeitet mit ihren gespeicherten Geschichten. Die Animationen, Zeichnungen und Textilarbeiten machen sichtbar, was verdrängt, überlagert oder stereotypisiert wird. Die Arbeiten verdeutlichen die Ungenauigkeit von Erinnerungen, sie dokumentieren nicht sondern spüren einem gelebten Leben nach.
Ausgehend von den Waisenkindern, die ursprünglich im Alten Spital betreut wurden, schafft die Künstlerin ein atmosphärisches Bild einer nahezu vergessenen Randgruppe. Sie benutzt dazu Materialien wie durch Rost eingefärbtes Textil und alte Stickereien, anonyme Fotos, alte Papiere und arbeitet mit ihren gespeicherten Geschichten.
Ihr Blick ist empathisch und forschend zugleich – eine Art des „femininen Archivierens“, das nicht dokumentiert sondern ausgehend von der weitgehend vergessenen Situation der Solothurner Waisenkindern den Ängsten, der Verlassenheit und dem Ausgesetztsein nachspürt.
AMNESIA
A Work about the orphans in Altes spital, Solothurn/CH, 2025/26
Can art stimulate a collective memory, initiate a process of remembering? Ingrid Gaier explores this question in her biography works. She uses materials such as textile, photo negatives, old papers and works with her stored stories. The animations, drawings and textile works make visible what is suppressed, superimposed or stereotyped. The works illustrate the inaccuracy of memories, they do not document but trace a life lived. Starting with the orphans who were originally cared for in the Old Hospital, the artist creates an atmospheric image of an almost forgotten marginalized group. She uses materials such as rust-dyed textiles and old embroidery, anonymous photos, old papers and works with her stored stories. Her gaze is empathetic and exploratory at the same time – a kind of „feminine archiving“ that does not document but traces the fears, abandonment and exposure based on the largely forgotten situation of Solothurn orphans.
